Vizekanzler AD, DI, Dr. Josef Riegler
Der Global Marshall Plan - Was kann an der Basis geschehen?
Vizekanzler AD, DI, Dr. Josef Riegler
"Nichts auf der Welt ist so stark, wie eine Idee, für welche die Zeit reif geworden ist."
(Victor Hugo)
Ich bin begeistert von dem, was sich hier in Weiz tut, besonders um die Pfingstvision. Ich weiß, dass es hier sehr viele engagierte Menschen gibt. Ich danke für die Einladung und freue mich, mit Ihnen über Visionen und weitere Vorhaben diskutieren zu dürfen.
Ich kenne viele Regionen und darf sagen, dass die Region Weiz wirklich ein ganz besonderer Boden ist: Mit viel eigenständiger Vitalität, mit vielen Ideen, die von innen heraus kommen; mit einer sehr überzeugenden Balance zwischen Visionen und konkreten Projekten.
Am Pfingstsonntag wird ORF 2 einen Bericht über die Pfingstvision ausstrahlen. Das ist ein „Kompliment“ für das, was Sie aufgebaut haben und was als Prozess in Gang ist - ein einzigartiges Geschehen.
Einiges ist in der Einbegleitung durch Fery Berger erwähnt worden. Angefangen hat alles mit einem ersten Jugendtreffen, daraus wurde die Weizer Pfingstvision, das Weizer Pfingstereignis und schließlich eine starke, dynamische Idee, übergreifend auf Berufssektoren und verschiedene Gruppierungen. Viele Kräfte finden zueinander und diese Bewegung zieht immer weitere Kreise. Aufbauend auf dem spirituellen Element tritt das politisch-solidarische Element zusätzlich und ergänzend hinzu: Eine Vision von einem globalen Friedensprojekt, gestaltet in einer Region. Dies ist meines Erachtens jener Punkt, wo sich Ihre Aktivitäten ganz zentral mit jenem Projekt treffen, worüber ich Sie informieren darf: Das Projekt „Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft“.
Worum geht es bei diesen beiden Projekten? Es geht darum, dass die Vision über den Tag hinaus mit der ganz konkreten Tat verbunden wird, wo Gerechtigkeit vor Ort und Gerechtigkeit für die ganze Welt zusammengehören. Es geht um Arbeit für die Region und um Arbeit für die Welt.
Dies sind die beiden Seiten ein- und derselben Medaille.
Spiritualität, Solidarität und Gemeinschaft am Weizberg ist der Inhalt Eurer Vision. Das Weizer Pfingstereignis, der spirituelle Weg, spirituelles Geschehen, das sind die Schwerpunkte. Daraus entstand sehr viel Motivation, die hineinwirkt in Kirche und Gesellschaft.
Solidarische Gesellschaft beinhaltet wieder diese beiden Dimensionen: Erstens die globale Dimension. Sie leben das ganz konkret, indem Sie Günther Zgubic so konkret unterstützen. Günther Zgubic, diesen wahrhaftigen Zeugen Jesu Christi in den Gefängnissen Brasiliens. Er redet nicht darüber. Er lebt das. In einer Stärke, die nur von innen heraus kommen kann. Auf der anderen Seite solidarische Gesellschaft, ganz konkret hier in Ihrer Region. Eine Region, die in besonderem Maß die Härten der Globalisierung gespürt hat: Das Zittern um die traditionsreiche ELIN; das Zittern um Jobs; der Druck auf die Löhne; die Existenzbedrohung vieler Gewerbebetriebe und Kaufgeschäfte als Folge eines unfairen und ungleichen Wettbewerbes; die Sorgen der Bauern; vor allem die bange Frage der Jugend nach ihren Berufschancen.
Was mich an Ihrer Arbeit so begeistert ist, dass Sie nicht jammern, dass Sie nicht den Kopf hängen lassen, sondern dass Sie anpacken, dass Sie selber Ideen entwickeln und daraus etwas machen wollen!
Solidarität Weiz, Globalisierung an der Basis- strukturiert nach den Bereichen Soziales, Ökologie und Ökonomie. Das ist angewandte Ökosoziale Marktwirtschaft. Aus einer Fülle von Anregung wurden Projekte herausgearbeitet, die nun in einer gemeinsamen Entscheidungsfindung mit den politisch Verantwortlichen in der Region konkret umgesetzt werden sollen. Das ist die Herausforderung, die Sie zu bestehen haben werden.
Nachdem, was Sie an Erfahrungen einbringen können, wird die Umsetzung - bin ich überzeugt - gelingen.
Aus meiner Erfahrung kann ich Ihnen sagen:
Ja, es ist ein richtiger Weg!
Ja, die Philosophie ist stimmig!
Was sind nun die wesentlichen Punkte, auf die man achten soll, um Globalisierung an der Basis konkretisieren zu können:
1. Regionale Wirtschaftskreisläufe:
Es geht darum, regionale Wirtschaftskreisläufe zu bilden und zu stärken. Das beginnt bei der Kaufentscheidung der Konsumenten, beim Kaufverhalten der Konsumenten ganz konkret hier in der Region.
Wer das Geld wegträgt, trägt die Arbeitsplätze weg!
Entscheide ich mich als Konsument für die Region oder für global agierende Ketten? Wenn es jetzt ums Konkrete geht: Was kann verwirklicht werden?
Da gibt es eine Fülle von praktischen Beispielen durch intelligente Veredelung:
* Heimische erneuerbare Energie
(Pionierregion europaweit)
* Produkte aus der Region „veredeln“
Es ist der Werkstoff Holz aus der Region, es sind die Produkte unserer Bauern und Forstwirte, die durch das Zusammenwirken mit Genossenschaften, Gewerbe, Handel und Dienstleistern zu möglichst hochwertigen Produkten weiterentwickelt werden sollen.
* Kooperation zwischen Bauern, Gastwirten und Tourismus
Der Grundsatz muss lauten, den Kreislauf des Geldes in der Region zu stärken. Das schafft Arbeitsplätze. Das schafft Einkommen. Das schafft eine dynamische Spirale nach oben. Das ist eine machbare Gegenstrategie gegen das „Ausrinnen“ ländlicher Regionen.
* Regionale Wirtschaftskreisläufe müssen gestärkt werden durch attraktive Bildungsangebote und durch vielfältige Kooperationen.
Bündeln der Kräfte
Die Berufsgruppen müssen an einem Strang ziehen (Arbeiter, Wirtschaft , Bauern und Industrie). Dies gilt auch für die Interessensvertretungen.
Ich erwähne ein Projekt im Waldviertel, wo mit aktiver Förderung durch Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Bauernkammer eine regionale Initiative entwickelt wurde.
2. Wir brauchen das Miteinander der politischen Kräfte vor Ort
In Wahrheit wollen die Bürger und Bürgerinnen viel weniger Parteiengezänk und viel mehr gemeinsame Kraftanstrengung: Von der Gemeindeebene bis zur europäischen Ebene. Mehr Miteinander ist notwendig in einer Zeit, die so herausfordernd ist.
3. Kirchen, Schulen und vielfältige kulturelle und geistigen Kräfte sind der Nährboden für Ideenreichtum in einer Region.
Sie sind meines Erachtens damit die wichtigste Voraussetzung für eine eigenständige regionale Entwicklung überhaupt.
Ich bin überzeugt, dass Sie mit Ihrem Projekt Pionierhaftes leisten können und leisten werden.
Das ist die regionale Seite.
Ich komme jetzt zur globalen Seite.
Seit 15 Jahren sind wir mit einem neuen Problem konfrontiert:
Ausbeutung auf der anderen Seite des Globus schlägt in Zeiten schrankenloser Globalisierung direkt auf uns zurück!
Eine auf schnellen Kapitalprofit ausgerichtete Globalisierung wirkt zerstörerisch:
Betriebe gehen zugrunde,
Produktionen werden verlagert,
Arbeitsplätze gehen verloren,
unsere Sozialsysteme geraten unter Druck.
Es gibt starke Kräfte, die uns ganz gezielt in Richtung „chinesischer Verhältnisse“ drängen wollen.
Im Buch „Vorsicht China!“ von Kurt SEINITZ wird das eindrucksvoll herausgearbeitet.
Seinitz zitiert den 81jährigen Staatsgründer von Singapur und Globalisierungs-Patriarchen Lee Kuan Yew mit folgenden Worten:
„Die gemütliche Welt in Europa, die Sie sich nach dem 2. Weltkrieg geschaffen haben, ist zu Ende - ob Sie es wollen oder nicht. Dieses System zerbrach in dem Augenblick, wo sich über 2 Milliarden Menschen dem Wettbewerb anschlossen - 1 Milliarde in China und 1 Milliarde in Indien.“
Dazu führt Seinitz dann im konkreten folgende Argumente an:
„Der Eintritt von Millionen Arbeitskräften in Asien in den Produktionsprozess der Weltwirtschaft hat das Verhandlungsgewicht von Gewerkschaften in den alten Industriestaaten beträchtlich verringert. Der Anteil von Löhnen und Gehältern im Verhältnis zum Nationaleinkommen fiel auf den tiefsten Stand seit Jahrzehnten. Das Turbo-Kapital gewinnt. Der Anteil der Profite am Nationaleinkommen in der „alten“ Welt erreichte den höchsten Stand seit 75 Jahren.
In diesem grenzenlosen globalen Arbeitsmarkt verliert zusehends die Politik ihre Gestaltungsmacht durch die sogenannten „Sachzwänge“. Demokratie wird zur Kulisse, hinter der ein ganz anderes Stück abläuft. Die Globalisierung macht nationale oder regionale Außenpolitik zur Weltinnenpolitik: Asien empfängt Arbeitsplätze aus Europa, Afrika schickt Arbeitssuchende nach Europa, Südamerika wird zum Rohstoff- und Agrarlieferenten.
Hilflos schauen unsere Nationalstaaten den „Global Players“ zu, wie sie auswandern. Die 20 größten der 50.000 transnationalen Unternehmen der Welt setzen mehr um, als die 80 ärmsten Staaten insgesamt erwirtschaften. Staaten sind erpressbar geworden für eine soziale Anpassungspolitik nach unten.
Auf dem Spiel steht die demokratische Ordnung in der „alten“ Welt, wenn die Verzichtsspirale in den sozialen Abwehrkampf mündet.“
Liebe Freunde!
Gegen diese Zerstörungsstrategie müssen wir uns zur Wehr setzen! Eine solche Form von unfairer und kapitalgetriebener Globalisierung ist kein Naturgesetz, sie ist menschengemacht. Sie ist menschengemacht aus ganz vordergründigen Interessen!
Wie können wir uns wehren?
1. Indem wir informieren und Bewusstsein schaffen!
2. Indem wir machbare Alternativen entwickeln und diese bekannt machen!
3. Indem wir durch die Dynamik des Schneeballeffektes und mit Hilfe der modernen Informationstechnologie Entscheidungsprozesse verändern.
4. Indem wir die Kräfte bündeln und alles dazu beitragen, dass sich die vielfältigen Bemühungen der Zivilgesellschaft besser miteinander vernetzen!
Wo liegt derzeit die Chance, um auf globaler Ebene etwas bewirken und verändern zu können?
Nach meiner Einschätzung nur in einer neuen selbstbewussten europäischen Eigenständigkeit!
Die Chance für eine gerechtere und friedensfähige Entwicklung auf unserem Globus liegt im europäischen Modell der BALANCE!
Dieses Modell der Balance war die Soziale Marktwirtschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Für das 21. Jahrhundert brauchen wir eine Erweiterung der Sozialen Marktwirtschaft um die Dimension der ökologischen Nachhaltigkeit.
Daher brauchen wir die Weiterentwicklung von der Sozialen Marktwirtschaft zur Ökosozialen Marktwirtschaft! Ökosoziale Marktwirtschaft bedeutet
1. Eine wettbewerbsstarke Wirtschaft, in welcher sich Leistung lohnt!
2. Neue soziale Solidarität von der Familie über den Staat bis zur globalen Ebene!
3. Ökologische Nachhaltigkeit und eine dauerhafte Balance des Menschen mit der Natur durch Kostenwahrheit und Verursacherprinzip!
ABER: Unter den derzeitigen Bedingungen einer unfairen und falsch programmierten Globalisierung ist Ökosoziale Marktwirtschaft auch in Europa nicht möglich. Trotz der auf dem Papier stehenden Lissabon-Strategie in Verbindung mit der EU-Nachhaltigkeitsstrategie.
Wir merken an allen Ecken und Enden, dass die Bemühungen um soziale Gerechtigkeit und um ökologische Nachhaltigkeit durch den globalen Konkurrenzdruck unter völlig unvergleichbaren Bedingungen immer mehr unter Druck geraten. Wir stehen daher auch im Interesse unser eigenes Überlebens vor der unverzichtbaren Herausforderung, Globalisierung intelligenter und gerechter gestalten zu müssen.
Das umfassendste Projekt dafür lautet:
„Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft“
Die politische Situation auf unserer Welt ist momentan so, dass ein Impuls in diese Richtung nur von Europa ausgehen kann. Wir wissen: Europa ist derzeit zwar wirtschaftlich stark, aber politisch schwach, weil es in sich zerrissen ist. Gleichzeitig bedeutet ein solches globales Vorhaben aber für Europa Herausforderung und Chance!
Es geht dabei für die EU um eine doppelte Chance:
1. Um eine neue, faszinierende Idee für Europa selbst
2. die Profilierung Europas als globaler politischer Faktor!
Zunächst zur neuen Idee:
Den Bürgern Europas ist die einigende und faszinierende Idee in hohem Maß abhanden gekommen. Seinerzeit war das die Idee der Einigung Europas;
später war es die geistige und politische Wiedervereinigung Europas.
Diese Ideen wurden inzwischen realisiert.
Nun haben wir ein geistiges Vakuum und das ist die eigentliche Krise der EU, wie wir sie derzeit spüren. Wir brauchen daher für Europa eine neue, überzeugende und machbare Idee:
* Chancen für die Jugend,
* Gerechtigkeit und Solidarität,
* Schutz für Lebensraum und Kultur,
* ein Leben der Menschheit in Frieden.
Zum zweiten Punkt: Europa als politischer Faktor:
Es geht dabei um eine neue politische Idee, als überzeugende Alternative zum derzeitigen weltpolitischen Dilemma, welches uns immer tiefer in die Sackgasse der Ausbeutung von Mensch und Natur, der Spirale von Gewalt und Gegengewalt und einer globalen Welle des oberflächlichen Materialismus, des Egoismus und der Rücksichtslosigkeit führt.
Das globale Friedensprojekt, welches wir von einer Initiative in Europa ausgehend anbieten können, ist das Projekt: „Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft“.
Wir Initiatoren gehen dabei von der Erfahrung und Überzeugung aus, dass es einen globalen Konsens nur dann geben kann, wenn sich der ärmere Süden und der reichere Norden davon Vorteile erwarten können. Es geht also um eine klassische globale „Win-win-Strategie“! Daher ist das Kernelement unseres Projektes eine - wie ich es nenne - „Zwei-Säulen-Philosophie“ unserer Initiative:
Global Marshall Plan und weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft als Tandem!
Die Besonderheit und Einmaligkeit unseres Projektes „Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft“ sehe ich genau darin, dass es zwei ordnungspolitische Schwerpunkte umfasst, nämlich die Verbindung fairer Entwicklungschancen mit fairem Wettbewerb.
1. Säule: Global Marshall Plan - faire Entwicklungschancen für alle:
1. Rasche Realisierung der UN-Millenniums-Entwicklungsziele
2. Notwendige Mittelaufbringung: Unterstützung des „0,7-%-Zieles“.
Zusätzliche innovative und ordnungspolitisch wünschenswerte Mittelaufbringung, beispielsweise durch eine geringfügige Abgabe auf global gehandelte Finanzprodukte.
3. Kriterien für teilnehmende Länder am Projekt Global Marshall Plan:
Rechtmäßige Regierung, Kampf der Korruption, Transparenz, Einhaltung der Menschenrechte etc.
4. Im Mitteleinsatz zunächst Priorität für die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele, strikte Anwendung des Bottom-up-Prinzips.
2. Säule: Weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft - fairer globaler Wettbewerb:
1. Weltweite Partnerschaft, Balance, gleiche Augenhöhe etc. sind Zielvorstellungen, ebenso wie mittelfristig die Herbeiführung weltdemokratischer Prozesse und die Durchsetzung von Weltbürgerrechten.
2. Verbindliche und für alle verpflichtende soziale und ökologische Standards. Als erster Schritt: Implementierung bestehender Standards in Wechselwirkung mit der WTO etc.
3. Bessere Regeln für globale Finanzmärkte, um das Risiko der Spekulation gegenüber einzelnen Volkswirtschaften bzw. die Stabilität von Währungen einzugrenzen
4. Weltweit koordinierte Steuerpolitik: Ausschaltung von Steueroasen, Kontrolle von Offshore-Bankplätzen, vergleichbare Besteuerung der Einkommen aus Erwerbsarbeit und Kapitalrendite.
5. Ziel einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft ist die Realisierung eines weltweiten Kohäsionsprinzips - ähnlich dem der EU - sowie ein „weltweiter Finanzausgleich“ zur effizientesten Finanzierung der Welt-Gemeinwohlerfordernisse.
6. „Wohlstand für alle“ - aber weltweit und auf Basis ökologischer Nachhaltigkeit. Daher ist die weltweite Durchsetzung des Verursacherprinzips und der ökologischen Kostenwahrheit ein Kernelement weltweiter Ökosozialer Marktwirtschaft.
Die „Preisfrage“ lautet nun: Wie lässt sich ein solches Vorhaben in einer mittelfristigen Strategie politisch umsetzen?
NUN: Es gibt hoffnungsvollere Ansätze, als man zunächst meinen möchte.
Im Dezember 2005 hat der Europäische Rat das Dokument:
„Der Europäische Konsens - die Entwicklungspolitik der Europäischen Union“ verabschiedet.
Darin heißt es wörtlich:
„Die EU unterstützt die Stärkung der sozialen Dimension der Globalisierung, damit alle an deren Vorteilen teilhaben können. Die EU wird die Kohärenz ihrer Politiken im Dienste der Entwicklung gewährleisten und auf globaler, nationaler und regionaler Ebene sich wechselseitig unterstützende Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitiken vorantreiben. Darüber hinaus plant die EU, menschenwürdige Arbeit für alle zu fördern, verstärkt den fairen Handel zu unterstützen sowie das Engagement der europäischen Unternehmen bei der Umsetzung der sozialen Verantwortung von Unternehmen zu fördern.“
Diese Zieldefinition für die Politik der EU ist inhaltlich praktisch deckungsgleich mit den Anliegen unseres Projektes „Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft“.
Wir von der Global Marshall Plan Initiative, welche im Mai 2003 durch den Club of Rome, das Ökosoziale Forum Europa, den Club of Budapest und die Stiftung Weltvertrag ins Leben gerufen wurde, wollen alles tun, um die politischen und gesellschaftlichen Kräfte Europas in ihren Vorhaben zu bestärken und sie in diese Richtung zu mobilisieren.
Daher arbeitet die Global Marshall Plan Initiative auf zwei Ebenen
1. Das Allerwichtigste ist die breite Bewegung und Meinungsbildung von unten durch
* Information,
* Bewusstseinsbildung,
* selbständige Aktivitäten vor Ort,
* Schneeballeffekte.
* Die bisherige Entwicklung bestärkt uns in dieser Strategie:
o Am 16. Mai 2003 waren wir 15 Menschen, um diese Initiative ins Leben zu rufen.
o Am 11. Oktober 2003 haben bereits 60 Persönlichkeiten die Stuttgarter Erklärung als erste öffentliche Präsentation der Global Marshall Plan Initiative unterschrieben.
o Im Jahr 2006 haben wir etwa 7.000 offizielle Unterstützer und etwa 100 Organisationen, welche unser Projekt durch selbständige Aktivitäten fördern.
o Unsere Vision ist: In etwa 5 Jahren sollen 10.000 Organisationen als eigenständige Akteure weltweit die Global Marshall Plan Initiative vertreten! Das schafft eine neue Zeitqualität, welche das politische und wirtschaftliche Geschehen nachhaltig verändern wird!
o Die moderne Informationstechnologie ist unsere Chance! Bereits mehrmals haben in den vergangenen 30 Jahren technologische Entwicklungen einschneidende politische Veränderungen ausgelöst:
Die Revolution im Iran durch das Tonband,
das Ende des Kommunismus in Osteuropa durch das Satellitenfernsehen,
die innere Entwicklung in der Volksrepublik China wird derzeit durch SMS-Botschaften verändert. (300 Milliarden SMS-Texte im Jahr 2005 durch 400 Millionen Handy-Benützer; 4 Millionen Handy-Benützer zusätzlich pro Monat!) Das Internet, die E-Mail und die SMS-Botschaft -
das sind auch große Chancen für unsere Global Marshall Plan Initiative!
* JEDER kann etwas tun,
* JEDER soll etwas tun:
o Informationen weitergeben,
o eigene Veranstaltungen organisieren,
o Appelle an politische Verantwortungsträger von der regionalen bis zur europäischen und globalen Ebene,
o Beiträge und Leserbriefe an Medien etc.
Das Schöne an der Entwicklung:
Wir bekommen von vielen Seiten Rückenwind:
o Durch viele Persönlichkeiten, Initiativen und Organisationen der Kirchen;
o durch Interessenvertretungen von Arbeitnehmern, von mittelständischen Unternehmen und Studenten;
o durch viele Menschen und Initiativen aus der breiten Palette der Zivilgesellschaft.
Genau an diesem Punkt berühren sich meines Erachtens auch unsere beiden Bemühungen:
Ihre in der Solidarregion Weiz und unsere in der Global Marshall Plan Initiative. Diese breite Bewusstseinsbildung von unten und dieser dynamische Schneeballeffekt in der Informationsentwicklung sind die Voraussetzung für die zweite Ebene unseres Agierens:
Daher:
2. Direkte Einflussnahme auf Entscheidungsprozesse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
Von Beginn an haben wir in der Global Marshall Plan Initiative versucht, Zugänge zu politischen Verantwortungsträgern zu finden:
* Zu Parlamenten und Regierungen auf nationalstaatlicher Ebene,
* zum Europäischen Parlament und zur Europäischen Kommission,
* zu globalen Institutionen wie UNO, WTO etc.
Einiges ist uns dabei gelungen, viel mehr bleibt noch zu tun!
Jeder zusätzliche Zugang ist für uns überaus bedeutungsvoll.
In dem Zusammenhang ein wunderbares Beispiel, was durch eine eigenständige regionale Aktivität bewirkt werden kann:
Vor etwas mehr als einem Jahr hat eine regionale Initiative in Kirchdorf in Oberösterreich unter dem Motto: „Den Stein ins Rollen bringen“ ein Projekt zur Unterstützung der Global Marshall Plan Initiative gestartet.
Aus einer regionalen Veranstaltung mit intensiver Vor- und Nacharbeit entstand die erste offizielle Unterstützungserklärung eines Bundeslandes für den Global Marshall Plan:
Im Jänner 2006 haben die Landesregierung und der Landtag in Oberösterreich diesbezügliche Beschlüsse gefasst.
Unmittelbar darauf folgten Salzburg und die Steiermark.
Inzwischen haben beinahe alle österreichischen Bundesländer solche offiziellen Unterstützungsbeschlüsse gefasst bzw. stehen solche Beschlüsse unmittelbar bevor!
Das ist wieder ein gewaltiges Signal und ein enormer Ansporn für unsere Freunde in Deutschland, auch durch deutsche Bundesländer Žhnliches zu bewirken.
Daraus resultiert ein weiteres wichtiges Vorhaben:
Die „Doppelpräsidentschaft“ Deutschlands als EU-Ratsvorsitzender und als Vorsitzender der „G8“ - der großen Industriestaaten - im Jahr 2007 ist für unsere Initiative ein hoffnungsvolles „Zeitfenster“.
Zumal Bundeskanzlerin Angela MERKEL erkennen lässt, dass ihr die Dringlichkeit einer ordnungspolitischen Gestaltung von Globalisierung bewusst ist:
In ihrer Rede vor dem Welt-Wirtschaftsforum in Davos im Februar 2006 sagte sie wörtlich:
„Wir stehen vor der Herausforderung - dieser Herausforderung muss sich Politik stellen - die Globalisierung zu gestalten. Die Žngste der Menschen rühren zum großen Teil daher, dass sie das Vertrauen darauf verloren haben, dass Politik die Folgen der Globalisierung gestalten kann. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass Politik auch in Zeiten der Globalisierung einen Gestaltungsauftrag hat.“ Genau hier setzen wir mit unserer Initiative an!
Ich bin unendlich dankbar dafür, dass Franz FISCHLER bereit war, die Präsidentschaft im Ökosozialen Forum zu übernehmen und dass er bereit ist, sich mit seinem hohen internationalen Ansehen an die Spitze unserer Bemühungen zu stellen. Aber alle diese gutwilligen Kräfte brauchen Rückenwind.
Und diesen Rückenwind müssen wir erzeugen!
Jede einzelne und
Jeder einzelne von uns!
In dem Sinn geht es auch um ein neues Pfingstwunder 2006!
In der Welt kann sich nur etwas verändern, wenn sich in einzelnen Menschen etwas verändert!
Es geht also um die ganz personale Entscheidung des einzelnen Menschen!
Wenn DAS millionenfach geschieht, dann verändert sich die Welt!
Sehr schön formuliert das P. Herwig BÜCHELE in seinem neuen Buch: „Vor der Gefahr der Selbstauslöschung der Menschheit“ mit folgenden Worten:
„Der Mensch ist zu einer Grundentscheidung herausgefordert: Entweder er verweigert sich: Er will Gott nicht anerkennen, nicht im Licht des Lebens wandeln.
Oder er bekehrt sich zu Gott um Gottes selbst Willen: Wenn ich den lebendigen Gott erfahren habe, dann erkenne ich in diesem Licht der Wahrheit klar die Götzenwelt, die Götterherrschaft und die Perversion der Systeme.“ Wenn Millionen von Menschen aus ihrer persönlichen inneren Gotteserfahrung heraus ihr Leben gestalten, dann schaffen sie eine neue Zeitqualität, die als „KAIROS“ den Boden aufbereiten kann, für einen Wendepunkt in der Entwicklung der Menschheit - heraus aus der globalen Existenzbedrohung und hin zu einer Entwicklung, die getragen ist von den Prinzipien der Solidarität, des Respekts, der Nachhaltigkeit und des fairen Umganges miteinander.
„DEUS CARITAS EST“ - Gott ist die Liebe - das ist die zentrale Botschaft des Papstes, die er der Menschheit in seiner ersten Enzyklika zuruft.
Und Papst Benedikt XVI. ergänzt: „In einer Welt, in der mit dem Namen Gottes bisweilen die Rache oder gar die Pflicht zu Hass und Gewalt verbunden wird, ist dies eine Botschaft von hoher Aktualität und von ganz praktischer Bedeutung.“ In dieser Botschaft liegt urpersönliche Verantwortung für jeden und jede von uns! Möge die Weizer Pfingstvision viele gute Früchte tragen - das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen!