Weizer Aufruf: Handeln wir!

Resolution der Solidarregion Weiz

Weiz, Oktober 2008

 

Im Augenblick erleben wir die schwerste weltweite Finanz - und Wirtschaftskrise seit 1929. Einer der Hauptgründe dafür ist die Anhäufung von immer mehr Kapital in den Händen immer weniger. Diese Krise löst schwere soziale Konflikte aus. Gleichzeitig bedroht die Klimaerwärmung unseren Planeten. Das beunruhigt viele Menschen in unserer Region. Welche wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen werden uns treffen? Als UnterstützerInnen dieser Grundsatzerklärung werden wir, je nach Möglichkeit, folgende vier Leitlinien in unserem Leben umsetzen:


1. Die heimische Wirtschaft stärken!
Wir werden jetzt unsere Sparguthaben nicht abheben. Und wenn, dann nur, um Produkte vornehmlich aus unserer Region zu kaufen. Kredite werden wir bei unseren heimischen Banken abschließen. Als KonsumentInnen werden wir unsere Lebensmittel bewusst von unseren Bauern beziehen. Als UnternehmerInnen werden wir, wo immer es geht, vor Ort produzieren und dem Erhalt der Arbeitsplätze in der Region höchste Priorität einräumen. Als Banken werden wir alle SchuldnerInnen bei ihren Problemen bestmöglich unterstützen, Kredite vornehmlich an heimische UnternehmerInnen vergeben und dabei mitdenken, ob und wie ein eigener Geldkreislauf in der Region sinnvoll ist.

2. Sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen!
Niemand soll in unserer Region unter die Räder kommen. Weder einer, der einen Arbeitsplatz verliert, noch jemand, der vor der Delogierung steht. Weder Menschen, die psychisch erkrankt sind, noch Jugendliche, die ihren Frust und ihre Perspektivenlosigkeit mit Alkohol betäuben. Wir wollen nach kreativen, neuen sozialen Wegen suchen. Die Herausforderungen sind groß. Denken wir an die immer größer werdende Zahl von alten Menschen, von Pflegebedürftigen und Demenzkranken. Wir wollen unser soziales Engagement aber nicht nur auf unsere eigene Region beschränken. Eine Milliarde Menschen sind auf unserer Erde von Hunger bedroht. Die ungerechte Verteilung der Lebenschancen für Menschen von Nord und Süd gefährdet den Frieden in der Welt.

3. Den eigenen Energiebedarf bis 2020 um 50 % reduzieren!
Wir sind bereit, auf alternative Heizformen wie Solarenergie oder Biomasse umzusteigen. Wir wollen zum Beispiel durch Energiesparlampen oder Wärmedämmung Energie einsparen. Wir werden zu Fuß gehen, Elektrofahrräder verwenden und Fahrgemeinschaften bilden. Wir sind PionierInnen in der Herstellung und Verwendung von Elektroautos. Alle, die materiell besser gestellt sind, haben die Pflicht, in diesem konkreten, ökologischen Bereich noch mehr zu investieren. Wir sind es der nächsten Generation schuldig, alles nur Erdenkliche für das Überleben unserer Erde zu unternehmen. Es ist wirklich höchste Zeit.

4. Den eigenen Lebensstil ändern!
Unsere Gesellschaft braucht eine neue Diskussion über Ethik. Die Lebensweisen ändern sich in unserer Zeit mit einem rasanten Tempo. Oft sind wir überfordert, mit den neuen Lebensstilen und Möglichkeiten richtig umzugehen. Lassen wir unsere Kinder nicht vorm Fernsehgerät verwahrlosen. Setzen wir unseren Jugendlichen auch Grenzen! Gönnen wir uns in dieser Zeit der Hektik auch Ruhephasen. Seien wir nicht Sklaven des Geldes und des Konsums. Entdecken wir Kultur, Kunst und die Schönheit unserer Region für unser Leben neu. Setzen wir uns auch mit den wesentlichen Sinnfragen unseres Lebens und Glaubens auseinander.

Solidarität heißt Zusammenhalten. Es geht aber nicht um ein Zusammenhalten gegen andere. In unserer Zeit der Globalisierung kann es letztlich nur mehr ein Zusammenhalten aller Menschen auf dieser Erde geben. Also: Halten wir zusammen! Die Zeit für eine grundsätzliche Erneuerung unserer Gesellschaft ist reif. Sie drängt. Dazu braucht es eine breite Bewegung. Deshalb rufen wir auch Menschen anderer Regionen auf, sich unserer Resolution anzuschließen. Was wir heute brauchen, ist eine Globalisierung an der Basis. Die Zeit zum Aufbruch ist reif!